ES IST EIN WEINEN IN DER WELT

Literatur und Musik

mit  Werken von Dieter Kaufmann (Christine Lavant), Leonhard Lechner (Francesco Petrarca) und Günter Mattitsch (Else Lasker-Schüler)

 

   

Mitwirkende - HORTUS MUSICUS

Christa Mäurer Sopran
Waltraud Russegger Mezzosopran
Michael Nowak Tenor
Günter Mattitsch Bariton / Leitung
Dietmar Pickl Bass
Daniel Niederer Schlagwerk

 

 

Programm

Dieter Kaufmann (*1941) 

 

Aufzeichnungen aus einem Irrenhaus/Teil 2

(Christine Lavant)

Leonhard Lechner (um 1553-1606)

 

Come nave ch'in mezzo all'onde sia

(Francesco Petrarca)

Günter Mattitsch (*1947)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Es ist ein Weinen in der Welt

3 Erinnerungen an Else Lasker-Schüler

I. sternensilber

Ich träumte so

Abends

II. goldverloren

Versöhnung

Aus der Ferne

III. blauend

Es ist eine Weinen in der Welt

Leonhard Lechner 

Deutsche Sprüche von Leben und Tod

Günter Mattitsch 

 

Litanei

(Die Seligpreisungen, Mt.5/3-10)

 

TEXTE

 

Italienische Madrigale (Lechner/Petrarca)

Wie ein Schiff bei hohem Seegang, überall von Winden bekämpft, bar jeglichen Lichtes, mit zerrissenen Segeln in völliger Dunkelheit von der wütenden See erfasst, voller Furcht um Hilfe rufend, denjenigen anflehend, der im Himmel herrscht, zu jeder Stunde sich an die fernen Sterne, an Saturn und Mars wendend, den sicheren Hafen sehnlich suchend.

So bin ich mit meinen herben und bitteren Tränen, der ich von einem Winde von Seufzern bedrängt und verlassen von meiner strahlenden Sonne bin, vergeblich in meinen Qualen um Hilfe rufend, den Tod herbeisehne, der mir süß erscheint, weil nichts da ist, wohin ich meine müden Blicke richten könnte.

 

Es ist ein Weinen in der Welt (Mattitsch)

Drei Erinnerungen an Else Lasker-Schüler

 

I. sternensilber

Ich träume so leise von dir (aus: Hans Adalbert von Maltzahn)

Immer kommen am Morgen schmerzliche Farben,

Die sind wie deine Seele.

O, ich muß an dich denken,

Und überall blühen so traurige Augen.

Und ich habe dir von großen Sternen erzählt,

Aber du hast zur Erde gesehn.

Nächte wachsen aus meinem Kopf,

Ich weiß nicht wo ich hin soll.

Ich träume so leise von dir,

Weiß hängt die Seide schon über meinen Augen.

Warum hast du nicht um mich

Die Erde gelassen – sage?

 

Abends (aus: An ihn)

Auf einmal mußte ich singen –

Und ich wußte nicht warum?

- Doch abends weinte ich bitterlich.

Es stieg aus allen Dingen

Ein Schmerz, und der ging um

- Und legte sich auf mich.

 

II. goldverloren

Versöhnung (aus: Meine Wunder)

Es wird ein großer Stern in meinen Schoß fallen...

Wir wollen wachen die Nacht,

In den Sprachen beten,

Die wie Harfen eingeschnitten sind.

Wir wollen uns versöhnen die Nacht –

So viel Gott strömt über.

Kinder sind unsere Herzen,

Die möchten ruhen müdesüß.

Und unsere Lippen wollen sich küssen,

Was zagst du?

Grenzt nicht mein Herz an deins –

Immer färbt dein Blut meine Wangen rot.

Wir wollen uns versöhnen die Nacht,

Wenn wir uns herzen, sterben wir nicht.

Es wird ein großer Stern in meinen Schoß fallen.

 

Aus der Ferne (aus: Konzert)

Die Welt, aus der ich lange mich entwand,

Ruht kahl, von Glut entlaubt, in dunkler Hand;

Die Heimat fremd, die ich mit Liebe überhäufte,

Aus der ich lebend in die Himmel reifte.

Es wachsen auch die Seelen der verpflanzten Bäume

Auf Erden schon in Gottes blaue Räume,

Um inniger von Seiner Herrlichkeit zu träumen.

Der große Mond und seine Lieblingssterne,

Spielen mit den bunten Muschelschäumen

Und hüten über Meere Gottes Geist so gerne.

So fern hab ich mir nie die Ewigkeit gedacht...

Es weinen über unsere Welt die Engel in der Nacht.

Sie läuterten mein Herz, die Fluren zu versüßen,

Und ließen euch in meinen Versen grüßen.

 

III. blauend

Es ist ein Weinen in der Welt (aus: Der siebente Tag)

Es ist ein Weinen in der Welt,

Als ob der liebe Gott gestorben wäre,

Und der bleierne Schatten, der niederfällt,

Lastet grabesschwer.

Komm, wir wollen uns näher verbergen...

Das Leben liegt in aller Herzen

Wie in Särgen.

Du! Wir wollen uns tief küssen –

Es pocht eine Sehnsucht an die Welt,

An der wir sterben müssen.

 

Deutsche Sprüche von Leben und Tod (Lechner)

Alles auf Erden stets mit Gefährden
des Falls sich wendet hin und her ländet.

Auch Sonn, Mond, Sterne, Witt’rung bewähren
samt den Jahrszeiten Unbständigkeiten.

Wir Menschen reisen gleich armen Waisen,
die sind mit Sorgen ung’wiß, wo morgen.

Heint frisch, wohlmächtig, g’sund, schön und prächtig
morgen verdorben, tot und gestorben.

In Gottes Händen alls steht zu enden;
sein wir geduldig, erwarten schuldig.

Gedenk mit nichten, dich b’ständig z’richten
in die Welt g’fährlich, drin nichts beharrlich.

Wenn sich erschwinget das Glück, dir g’linget,
tu nit drauf bauen ihm z’viel vertrauen.

So überfallen dich Trübsals Qualen,
sei nit kleinmütig, murrend, ungütig.

Was jetzt im Laufen, liegt bald zu Haufen,
das kann sich schicken, all Augenblicken.

Weil dann so unstet dies Schiff der Welt geht
so lasst uns denken wohin zu lenken.

Wir wöllen kehren zu Gott, dem Herren,
uns nach seim G’fallen richten in allem.

Ihn fürchten, lieben, sein Wort stets üben.
Er wird erbarmen sich unser Armen.

Sein Gnad und Güte wird uns behüten,
trösten, entbinden von unsern Sünden.

Sein Hand wird retten aus allen Nöten;
wir leben, sterben, jetzt nit verderben.

Nach diesem Leiden, er ewig Freuden
uns schenkt unfehlig. Dann sind wir selig.

 

Litanei (Mattitsch)

Selig sind, die da geistlich arm sind;

denn ihrer ist das Himmelreich.

 

Selig sind, die da Leid tragen;

denn sie sollen getröstet werden.

 

Selig sind die Sanftmütigen;

denn sie werden das Erdreich besitzen.

 

Selig sind, die da hungert und dürstet nach Gerechtigkeit;

denn sie sollen satt werden.

 

Selig sind die Barmherzigen;

denn sie werden Barmherzigkeit erlangen.

 

Selig sind, die reinen Herzens sind;

denn sie werden Gott schauen.

 

Selig sind die Friedfertigen;

denn sie werden Gottes Kinder heißen.

 

Selig sind, die um der Gerechtigkeit verfolgt werden;

denn ihrer ist das Himmelreich.