Liebeslieder und Madrigale aus der Renaissance mit Werken von Adrian Willaert, Luca Marenzio, Hans Leo Hassler, Orlando di Lasso, Jakob Arcadelt und Johann Hermann Schein

Programm

Adrian Willaert (1480 – 1562) O dolce vita mia
Luca Marenzio (1553 – 1599) Zeffiro torna
Hans Leo Hassler (1564 – 1612) Ach weh des Leiden
Orlando di Lasso (1532 – 1594) Madonna ma pietà
Jakob Arcadelt (ca. 1514 – 1568) Il bianco e dolce cigno
Luca Marenzio Solo e pensoso

Johann Hermann Schein (1586 – 1630)

Amor, wie ist dein Lieblichkeit

Gleichwie ein kleines Vögelein

Itzund ich mich vergleiche

Vergiß aller der Traurigkeit

Sollt ich mein Freud verschweigen.

O dolce vita mia

O mein süßes Leben,
ich muss laut klagen,
dass mit gar hartem Wort
du mir so grausam drohst
seit vielen Tagen.
Und ich vergeh‘ wie Schnee im Brand der Sonne.

Verloren bin ich ganz,
nichts gilt mir das Leben,
weil voller Grausamkeit und ohn‘ Erbarmen
Du mir statt Liebeslust
nur einen Korb gegeben.
Und ich vergeh‘ wie Schnee im Brand der Sonne.

O mein süßes Leben,
ich muss laut klagen,
dass mit gar hartem Wort
du mir so grausam drohst
seit vielen Tagen.
Und ich vergeh‘ wie Schnee im Brand der Sonne.

Zeffiro torna (Francesco Petrarca)

Zephir kehrt wieder und die schöne Zeit
bringt wieder Blumen und Kräuter.
Jubeln und weinen tut die Nachtigall
im farbenprächtigen Frühling.

Die Wiesen lachen und der Himmel erstrahlt.
Jupiter freut sich, seine Tochter zu schauen
in Luft, Wasser und Erde.
Voller Lust trachtet jedes Wesen nach Liebe.

Mir scheint, sie kehren zurück zu meinem Überdruss
Um der schweren Seufzer willen, die zutiefst aus
dem Herzen jene bangen Sorgen zum Himmel emportragen.
Mit ihnen auch der Gesang der Vögel und das
Blühen der Raine, ja auch die süßen und ehrsamen
Gesten schöner Frauen.
Ich bin eine Wüste voller rauher, wilder Tiere.

Ach weh des Leiden
Ach, weh des Leiden,
muss es dann sein gescheiden?
Ach, weh mir Armen,
wen sollt’s doch nicht erbarmen?
Ach, weh der Schmerzen,
so ich empfind im Herzen!
Muss ich dich dann aufgeben,
so kost’s mir mein Leben.

Madonna ma pietà
Habt Mitleid, schöne Frau,
Helft doch meiner Not.
Mit Unrecht quält Ihr mich,
Ihr wollt meinen Tod.
Ich schreie, ich schreie gar laut,
doch Ihr hört mich nicht.
Kalt bleibt Ihr meinen Gluten,
ich fühl‘ mein Herz verbluten.

Ihr lacht mich herzlos aus,
Habt für mich nur Hohn –
Vom lauten Schrei’n nach Euch
bricht mir die Stimme schon.
Ich schreie, ich schreie gar laut,
doch Ihr hört mich nicht.
Kalt bleibt Ihr meinen Gluten,
ich fühl‘ mein Herz verbluten.

Il bianco e dolce cigno (Alfonso d‘ Avalos)

Der weiße und süße Schwan
stirbt singend,
und ich erreiche weinend das
Ende meines Lebens.

Seltsames und verschiedenes Schicksal.
Ich sterbe glücklich.
Der Tod erfüllt mich mit Freude und
ganzer Sehnsucht.

Wenn ich im Sterben
keinen anderen Schmerz fühlte,
wäre ich zufrieden,
tausendmal am Tag zu sterben.

Solo e pensoso (Francesco Petrarca)

Allein und sinnend durch die ödsten Lande
zieh‘ ich mit langsam abgemessnem Schritt.
Und ringsum schweift zur Flucht mein Blick, wo Tritte
der Menschen irgendwo zu sehen im Sande.

Nicht anders bin zu bergen ich imstande,
was schnell sich offenbart in andrer Mitte,
weil meines Wandels freudelose Sitte
nach außen Kunde gibt vom innern Brande:

Sodass ich glaube, meinen Jammer ahnen,
wie ich ihn vor den Menschen auch verstecke,
Gebirg und Wälder nun und Ström‘ und Bäche.
Doch find‘ ich nicht so rau‘ und wilde Bahnen,
Wo mich nicht Amor immer gleich entdecke,
dass ich mit ihm, er sich mit mir bespreche.

Amor, wie ist dein Lieblichkeit

Amor, wie ist dein Lieblichkeit
sogar ein bitters Leiden.
Du machst mir so viel Traurigkeit,
dass ich so oft muß meiden
mein einig Freud,
bei der allzeit
ich stets mir wünsch zu wohnen.
Dein Diener treu
mit Heuchelei
und Falschheit tust ablohnen.

Mein Kraft ist schwach, verkehrt mein Sinn,
durch dein Geschoß verwundet.
Mein Herz im Leib wird fahren hin,
ob ich mich wohl erkundet
Arznei behend,
an allen End‘,
kann mir doch niemand helfen.
O weh, mein Wund
nimmt zu von Stund,
es ist umsonst mein Gelfen.

Rühmst du dich denn noch Lieblichkeit
und freundliches Wohlleben,
magst wohl sein eine Bitterkeit,
die mich noch bringt ums Leben.
Heißt zwar Amor,
bis Amaror,
der du gar manchem Ritter
in großer Not,
ja auch im Tod
bist gnug gewesen bitter.

Gleichwie ein kleines Vögelein

Gleichwie ein kleines Vögelein,
gänzlich eh sichs versicht,
erbärmlich wird gefitzet ein
im Netz, daraus es nicht
entrinnen kann,
sondern muss dran
und stets gefangen sein.

Recht gleichermaß mit Liebesband
mich Amor gfangen hält.
Trotziglich der regiert im Land,
ja in der ganzen Welt.
Wie grausamlich
traktiert er mich
und mich betrübet sehr.

Reiß doch die Band, ich gbeten sehr,
lös mich einmal der Strick
und mit dei’m Grimm bald von mir kehr,
damit ich mich erquick.
Will ich doch sein
der Diener dein,
friste mir nur das Lebn.

Darauf Amor mit Grimmigkeit
antwort‘: „Ich lös dich nicht.
Du weißt denn Liebesgrausamkeit,
darnach dich gänzlich richt!“

Drum hilf du mir
ach, liebste Zier,
so ist geholfen mir.

Itzund ich mich vergleiche

Itzund ich mich vergleiche
ei’m dürren Bäumelein,
dem seine Zweige
seind gegn die Sonn gesetzet,
welchr Hitz und steter Schein
es sehr verletzet
und allen Saft auszeuchet,
daß seine Blätter
vom heißen Wetter
tun ganz verderben,
die Frücht ersterben,
solchs sich am mir erzeiget.

Ich dir bei Treu und Ehren,
ach lieblichs Brünnlein,
höchlich tu schwören,
daß ich mein ganzes Leben
immer bei dir will sein,
mich dir ergeben
und deiner nicht vergessen.
Drum stelle dich gütig,
nicht übermütig.
Mein großen Schmerzen
in deine Herzen
tu erbarmend ermessen.

Nicht wolltest du gedenken,
wann ich an deinem Quell
mich wollte tränken,
ich möchte etwas trüben
dein kühlend Wasser hell,
Gwalt an dir üben.
Ach nein, dirs nicht einbilde!
Ich will fein sachte
kommen bei Nachte,
leis hineinsteigen,
mein Kunst erzeigen,
mich stellen gar nicht wilde.

Vergiß aller der Traurigkeit

Vergiß aller der Traurigkeit,
die dir mag sein wohl hier bereit.
Vergiß du mit dem Ganymed
des Berges Idae da er steht.
Vergiß´du mit dem Ganymed
des Berges Idae da er steht.

Setz du dich zu Tisch allermeist,
wie Jupiter die Götter heißt
und trink für Milch Ambrosiam!
Was gilts, er fröhlich machen kann,
und trink für Milch Ambrosiam!
Was gilts, er fröhlich machen kann.

Also sich end‘ mein Gsang geschwind,
o du liebs apollonisch Kind.
Schlag Lauten und dein Instrument,
weil sich jetzt Trauren von dir wend.
Schlag Lauten und dein Instrument,
weil sich jetzt Trauren von dir wend.

Sollt ich mein Freud verschweigen

Sollt ich mein Freud verschweigen,
ach liebstes Herzelein,
weil ihr euch gebt mir eigen,
ganz nach dem Willen mein?
Drum tut mein Herz,
ledig von Schmerz,
ein Liedelein jetzt singen,
obschon von nah,
besser als da
die Musica könnt klingen.

Also könnt ihr vermerken,
mit was für Labsal gut
ich täglichen tu stärken
meins Herzen Sinn und Mut.
Itzt ich beschließ,
bin des gewiß,
werd‘ euch dies lan gefallen,
gleichfalls mir auch,
nach Liebsgebrauch,
ein süßes Liedlein schallen.