Mit Werken von William Byrd, Hieronymus Praetorius, Josquin Desprez, Leonhard Lechner, Johann Hermann Schein, Heinrich Schütz, Thomas Tallis, Orlando di Lasso

Programm

William Byrd (1543 – 1623) Miserere mei
Hieronymus Praetorius (1586 – 1651) O vos omnes
Josquin Desprez (ca. 1440 – 1517) Ave Christe, immolate
Leonhard Lechner (1553 – 1606) Deutsche Sprüche von Leben und Tod
Johann Hermann Schein (1586 – 1630)

Die mit Tränen säen
Heinrich Schütz (1585 – 1672) Die mit Tränen säen
Thomas Tallis (1505 – 1585) The Lamentation of Jeremiah
Orlando di Lasso (1532 – 1594) Timor et tremor

 

Mitwirkende

Christa Mäurer Sopran
Waltraud Russegger Mezzosopran
Michael Nowak Tenor, Altus
Günter Mattitsch Tenor
Klaus Neubauer Bass
Dietmar Pickl Bass

Miserere meus (William Byrd)
Erbarme dich meiner, Gott,
in deiner großen Güte.
In deiner großen Barmherzigkeit
vergib mir meine Sündenschuld.

O vos omnes (Hieronymus Praetorius)
O ihr alle, die ihr vorbeigeht auf dem Wege,
gebet acht und sehet, ob ein Schmerz
ähnlich meinem Schmerz ist.

Ave christe, immolate (Josquin Desprez)
Erster Teil
Sei gegrüßt, Christus, der du am Kreuzaltar geopfert wurdest,
dein Opfer ist Erlösung, durch deinen bitteren Tod
erlöst du uns in hellem Licht
und erfreust uns an deinem Glanz.
Sei gegrüßt, Fleisch gewordenes Wort, durch die Jungfrau Maria,
lebendiges Brot der Engel, Heil der Schwachen,
Heilung der Sünder.
Sei gegrüßt, Jesus Christ, der du vom Himmel herabgekommen bist und dein Volk erlöst hast,
der du am Kreuze hingest, guter Jesus, Quell der Gnade,
Lob der Engel, Ehre der Heiligen,
erbarme dich unser.

Zweiter Teil
Sei gegrüßt, Licht der Welt, Wort des Vaters,
wahres Opferlamm, lebendiges Fleisch,
reine Gottheit, wahrer Mensch.
Sei gegrüßt, Ursprung unserer Schöpfung, sei gegrüßt, Preis unserer Erlösung.
Sei gegrüßt, Trost unserer Sehnsucht, sei gegrüßt, Heil unserer Rettung,
der du jetzt für uns geopfert und geheiligt wirst.
Hilf, dass unsere Tage in Frieden geordnet werden
und wir zur Schar deiner Auserwählten gezählt werden.

Deutsche Sprüche von Leben und Tod (Leonhard Lechner)
Der erste Teil
Alles auf Erden stets mit Gefährden
des Falls sich wendet, hin und her ländet

Der ander Teil
Auch Sonn, Mond, Sterne, Wittrung
bewähren samt den Jahrszeiten Unbständigkeiten.

Der dritte Teil
Wir Menschen reisen gleich armen Weisen,
die sind mit Sorgen ungwiß, wo morgen.

Der vierte Teil
Heint frisch, wohlmächtig, gsund und prächtig;
morgen verdorben, tot und gestorben.

Der fünfte Teil
In Gottes Händen alls steht zu enden;
sein wir geduldig, erwarten schuldig.

Der sechste Teil
Gedenk mitnichten, dich bständig z’richten
in die Welt gfährlich, drin nichts beharrlich.

Der siebte Teil
Wenn sich erschwinget das Glück, dir g’linget,
tu nicht drauf bauen, ihm z’viel vertrauen.

Der achte Teil
So überfallen dich Trübsals Qualen,
sei nit kleinmütig, murrend, ungütig.

Der neunte Teil
Was jetzt im Laufen liegt bald zu Haufen,
das kann sich schicken all Augenblicken.

Der zehnte Teil
Weil dann so unstet dies Schiff der Welt geht,
so laßt uns denken, wohin zu lenken.

Der elfte Teil
Wir wöllen kehren zu Gott dem Herren,
uns nach seim Gfallen richten in allem.

Der zwölfte Teil
Ihn fürchten, lieben, sein Wort stet üben.
Er wird erbarmen sich unser Armen.

Der dreizehnte Teil
Sein Gnad und Güten wird uns behüten,
trösten, entbinden von unsern Sünden.

Der vierzehnte Teil
Sein Hand wird retten aus allen Nöten;
wir leben, sterben, jetzt nit verderben.

Der fünfzehnte Teil
Nach diesem Leiden er ewig Freuden
uns schenkt ohnfehlig. Dann sind wir selig.

Die mit Tränen säen (Johann Hermann Schein / Heinrich Schütz)
Die mit Tränen säen,
werden mit Freuden ernten.
Sie gehen hin und weinen
und tragen edlen Samen
und kommen mit Freuden
und bringen ihre Garben.

The Lamentation of Jeremiah (Thomas Tallis)
1. Teil
Es beginnt die Klage des Propheten Jeremia.
Alef.
Wie liegt die Stadt so verlassen, die einst voll Volks war!
Sie ist wie eine Witwe, die Herrin unter den Völkern.
Die eine Königin in den Ländern war, muss nun dienen.
Beth.
Sie weint in der Nacht, dass ihr die Tränen über die Wangen laufen:
Es ist niemand unter allen Geliebten, der sie tröstet.
Alle ihre Freunde sind ihr untreu und ihre Feinde geworden.
Jerusalem, wende dich hin zu Gott, deinem Herrn.

2. Teil
Von der Klage des Propheten Jeremia.
Gimel.
Juda wanderte aus wegen der Schmach und Schere der Knechtschaft,
es wohnt unter den Völkern und findet keine Ruhe.
Daleth.
Alle seine Verfolger kommen heran und bedrängen es.
Sie trauern, weil niemand auf ein Fest kommt.
Alle seine Tore sind zerstört, ihre Priester seufzen,
ihre Jungfrauen sehen jammervoll drein
und sie selbst ist durch Bitternis niedergedrückt.
Heth.
Ihre Widersacher sind an der Macht,
ihren Feinden geht es gut,
denn der Herr hat über die Stadt Jammer gebracht
wegen ihrer großen Sünden
und ihre Kinder sind gefangen vor dem Feind dahingezogen.
Jerusalem, wende dich hin zu Gott, deinem Herrn.

Timor et tremor (Orlando di Lasso)
Zittern und Beben sind über mich gekommen,
Finsternis ist über mich hereingebrochen:
Erbarme dich meiner, o Gott, erbarme dich meiner,
denn auf dich allein vertraut meine Seele.

Gott, erhöre meine Bitte,
denn du bist meine Zuflucht und Beistand des Starken.
Ich rief dich an, mein Gott, dass ich nicht verwirrt werde.